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Zwei Schicksalswege

Der Gast schreibt und erzählt die Geschichte der MittagsgesellschaftTHE GUEST WRITES AND TELLS THE STORY OF THE DINNER PARTY.
Seit meine Frau und ich die Vereinigten Staaten verließen, um England einen Besuch abzustatten, sind viele Jahre verflossen.MANY years have passed since my wife and I left the United States to pay our first visit to England.
Wir waren natürlich mit vielen Empfehlungsbriefen versehen. Der eine davon war von dem Bruder meiner Frau geschrieben. Er sollte uns bei einem englischen Gentleman einführen, der unter seinen alten geschätzten Freunden hohes Ansehen genoss.We were provided with letters of introduction, as a matter of course. Among them there was a letter which had been written for us by my wife's brother. It presented us to an English gentleman who held a high rank on the list of his old and valued friends.
»Ihr werdet Mr. George Germaine in einer sehr interessanten Lebensepoche kennenlernen«, sagte mein Schwager, als wir uns von ihm verabschiedeten. »Die letzten Nachrichten, die ich von ihm erhielt, verkünden mir, dass er sich eben verheiratet hat. Ich weiß nichts von der Dame oder den Umständen, unter denen mein Freund ihr zuerst begegnet ist, aber davon bin ich überzeugt, ob Junggesell oder Ehemann, George Germain wird euch um meinetwillen in England herzlich willkommen heißen.«"You will become acquainted with Mr. George Germaine," my brother-in-law said, when we took leave of him, "at a very interesting period of his life. My last news of him tells me that he is just married. I know nothing of the lady, or of the circumstances under which my friend first met with her. But of this I am certain: married or single, George Germaine will give you and your wife a hearty welcome to England, for my sake."
Am Tage unserer Ankunft in London gaben wir unseren Empfehlungsbrief in Mr. Germaines Hause ab.The day after our arrival in London, we left our letter of introduction at the house of Mr. Germaine.
Am nächsten Morgen gingen wir aus, um – den Tower von London – einen Lieblingsgegenstand des amerikanischen Interesses, zu besichtigen. Die Bürger der Vereinigten Staaten finden die Reliquien aus der guten, alten Zeit von großem Nutzen, um dadurch die Achtung der Nation vor den republikanischen Institutionen zu heben. Bei unserer Rückkehr ins Hotel sagten uns die Karten von Mr. und Mrs. Germaine, dass sie unseren Besuch bereits erwidert hatten. An demselben Abende erhielten wir eine Einladung, mit dem neuvermählten Paare zu speisen. Sie war in einem Billet von Mrs. Germaine an meine Frau enthalten, in dem sie uns mitteilte, dass wir keine große Gesellschaft erwarten sollten. »Es ist das erste Diner, das wir nach der Rückkehr von unserer Hochzeitsreise geben«, schrieb die Dame; »wir werden Sie nur mit einigen von meines Mannes alten Freunden bekanntmachen.« The next morning we went to see a favorite object of American interest, in the metropolis of England--the Tower of London. The citizens of the United States find this relic of the good old times of great use in raising their national estimate of the value of republican institutions. On getting back to the hotel, the cards of Mr. and Mrs. Germaine told us that they had already returned our visit. The same evening we received an invitation to dine with the newly married couple. It was inclosed in a little note from Mrs. Germaine to my wife, warning us that we were not to expect to meet a large party. "It is the first dinner we give, on our return from our wedding tour" (the lady wrote); "and you will only be introduced to a few of my husband's old friends."
In Amerika und, wie ich höre, auch auf dem Kontinent von Europa, erweist man dem Wirte die Höflichkeit, zu der in der Einladung bezeichneten Stunde pünktlich beim Diner zu erscheinen. Nur in England herrscht die unbegreifliche und unhöfliche Sitte vor, den Wirt und das Diner eine halbe Stunde länger warten zu lassen, ohne triftigen Grund, und ohne bessere Entschuldigung, als die hohle Redensart, die die Worte enthalten »bedaure mich verspätet zu haben.«In America, and (as I hear) on the continent of Europe also, when your host invites you to dine at a given hour, you pay him the compliment of arriving punctually at his house. In England alone, the incomprehensible and discourteous custom prevails of keeping the host and the dinner waiting for half an hour or more--without any assignable reason and without any better excuse than the purely formal apology that is implied in the words, "Sorry to be late."
Wir hatten allen Grund uns zu beglückwünschen, dass wir durch unsere Unwissenheit so pünktlich zur bezeichneten Stunde in Mr. und Mrs. Germaines Hause anlangten; wir waren wirklich eine halbe Stunde vor den andern Gästen dort. Arriving at the appointed time at the house of Mr. and Mrs. Germaine, we had every reason to congratulate ourselves on the ignorant punctuality which had brought us into the drawing-room half an hour in advance of the other guests.
Die Art und Weise, wie sie uns begrüßten, war so herzlich und so frei von aller Förmlichkeit, dass wir uns wirklich in unsere Heimat zurückversetzt glaubten, und gewannen die Eheleute im ersten Augenblick, als wir sie sahen, unser Interesse. Die Dame bezauberte uns fast. In ihrem Gesicht und Wesen lag ein ungekünstelter Reiz, in allen ihren Bewegungen eine so anmutige Einfachheit, dazu ihre liebliche melodiöse Stimme, - kurz sie erschien uns Amerikanern ganz unwiderstehlich. Dass hier einmal ein glücklicher Ehebund geschlossen worden war, sah man klar und konnte sich dessen freuen! Dieses waren zwei Menschen, die in ihren innigsten Wünschen und Hoffnungen sympathisierten – denen man es ansah, wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf, dass sie füreinander geschaffen waren. Im Verlauf der halben Stunde, die uns um des guten Tons willen, mit unseren Wirten allein gegönnt war, hatte unsere Unterhaltung sich so gemütlich und vertraulich gestaltet, als wenn wir, alle vier, alte Freunde waren.In the first place, there was so much heartiness, and so little ceremony, in the welcome accorded to us, that we almost fancied ourselves back in our own country. In the second place, both husband and wife interested us the moment we set eyes on them. The lady, especially, although she was not, strictly speaking, a beautiful woman, quite fascinated us. There was an artless charm in her face and manner, a simple grace in all her movements, a low, delicious melody in her voice, which we Americans felt to be simply irresistible. And then, it was so plain (and so pleasant) to see that here at least was a happy marriage! Here were two people who had all their dearest hopes, wishes, and sympathies in common--who looked, if I may risk the expression, born to be man and wife. By the time when the fashionable delay of the half hour had expired, we were talking together as familiarly and as confidentially as if we had been all four of us old friends.
Als es acht Uhr schlug erschienen die ersten englischen Gäste. Da ich den Namen des Herrn vergessen habe, möge man mir gestatten, ihn durch einen Buchstaben des Alphabets zu bezeichnen. Ich werde ihn Mr. A. nennen. Als er ins Zimmer trat, sahen beide, mein Wirt und meine Wirtin, erschrocken und erstaunt aus. Sie erwarteten ihn sichtlich in Begleitung einer andern Person. Mr. Germaine empfing ihn mit der eigentümlichen Frage.Eight o'clock struck, and the first of the English guests appeared. Having forgotten this gentleman's name, I must beg leave to distinguish him by means of a letter of the alphabet. Let me call him Mr. A. When he entered the room alone, our host and hostess both started, and both looked surprised. Apparently they expected him to be accompanied by some other person. Mr. Germaine put a curious question to his friend.
»Wo ist Ihre Frau?«"Where is your wife?" he asked.
Mr. A. beantwortete diese Frage mit folgenden Worten der Entschuldigung:Mr. A answered for the absent lady by a neat little apology, expressed in these words:
»Sie hat heftiges Kopfweh. Sie bedauert unendlich, und hat mich beauftragt sie zu entschuldigen.«"She has got a bad cold. She is very sorry. She begs me to make her excuses."
Er hatte nur eben Zeit seinen Auftrag auszurichten, als ein anderer einzelner Herr erschien. Um an den Buchstaben des Alphabets festzuhalten, werde ich ihn Mr. B. nennen. Wiederum sah ich, dass meine Wirte erschraken, als sie ihn allein ins Zimmer treten sahen und zu meinem größten Erstaunen hörte ich Mr. Germaine an seinen neuen Gast wiederum die seltsame Frage richten: He had just time to deliver his message, before another unaccompanied gentleman appeared. Reverting to the letters of the alphabet, let me call him Mr. B. Once more, I noticed that our host and hostess started when they saw him enter the room alone. And, rather to my surprise, I heard Mr. Germaine put his curious question again to the new guest:
»Wo ist Ihre Frau?«"Where is your wife?"
Die Antwort war – mit einer kleinen Abweichung – Mr. A.s höfliche Entschuldigung, die Mr. B. Wiederholte.The answer--with slight variations--was Mr. A's neat little apology, repeated by Mr. B.
»Ich bedaure unendlich. Mrs. B. ist von heftigen Kopfschmerzen geplagt. Sie leidet oft daran und hat mich beauftragt sie zu entschuldigen.«"I am very sorry. Mrs. B has got a bad headache. She is subject to bad headaches. She begs me to make her excuses."
Mr. und Mrs. Germaine sahen einander an. Des Gatten Gesichtsausdruck verriet deutlich den Argwohn, den diese zweite Entschuldigung in ihm wachgerufen hatte. Die Frau war fest und ruhig. Es entstand eine längere Pause. Mr. A. und Mr. B. zogen sich schuldbewusst in eine Ecke zurück. Meine Frau und ich betrachteten die Bilder.Mr. and Mrs. Germaine glanced at one another. The husband's face plainly expressed the suspicion which this second apology had roused in his mind. The wife was steady and calm. An interval passed--a silent interval. Mr. A and Mr. B retired together guiltily into a corner. My wife and I looked at the pictures.
Mrs. Germaine erlöste uns endlich von der peinlichen Stille. Wie es schien, fehlten noch zwei Gäste, um die Gesellschaft vollzählig zu machen.Mrs. Germaine was the first to relieve us from our own intolerable silence. Two more guests, it appeared, were still wanting to complete the party.
»Wollen wir gleich zu Tische gehen, George?« fragte sie ihren Gatten, »oder wollen wir auf Mr. und Mrs. C. Warten?«"Shall we have dinner at once, George?" she said to her husband. "Or shall we wait for Mr. and Mrs. C?"
»Wir wollen noch fünf Minuten warten«, antwortete er kurz – die Augen auf Mr. A. und Mr. B. gerichtet, die immer noch schuldbewusst in ihrer Ecke standen."We will wait five minutes," he answered, shortly--with his eye on Mr. A and Mr. B, guiltily secluded in their corner.
Die Tür des Empfangszimmers wurde geöffnet. Wir alle wussten, dass eine dritte Dame mit ihrem Gemahl erwartet wurde; und sahen alle in unsagbarer Erwartung nach der Tür. Unausgesprochen ruhten alle unsere Hoffnungen auf Mrs. C. Wird diese bewundernswürdige, wenn auch unbekannte Frau uns durch ihr Erscheinen zugleich entzücken und beruhigen? Mich durchschauert es noch, als ich dieses niederschreibe. Mr. C. betrat das Zimmer und – betrat es allein.The drawing-room door opened. We all knew that a third married lady was expected; we all looked toward the door in unutterable anticipation. Our unexpressed hopes rested silently on the possible appearance of Mrs. C. Would that admirable, but unknown, woman, at once charm and relieve us by her presence? I shudder as I write it. Mr. C walked into the room--and walked in, alone.
Mr. Germaine änderte seine bisherige Frage, indem er den Gast mit den Worten empfing:Mr. Germaine suddenly varied his formal inquiry in receiving the new guest.
»Ist Ihre Frau krank?«"Is your wife ill?" he asked.
Mr. C. War ein ältlicher Herr; er hatte dem Anscheine nach noch in der Zeit gelebt, wo die altmodischen Gesetze der Höflichkeit in voller Kraft waren. Als er seine beiden verheirateten Freunde in ihrer Ecke, unbegleitet von ihren Frauen entdeckte, entschuldigte er das Ausbleiben der seinen mit dem Ausdruck wirklicher Beschämung darüber. Mrs. C. bedauert so von Herzen. Sie hat sich sehr heftig erkältet. Es tut ihr so innig leid mich nicht begleiten zu können. Bei dieser dritten Entschuldigungsrede machte sich Mr. Germaines verhaltener Grimm in Worten Luft.Mr. C was an elderly man; Mr. C had lived (judging by appearances) in the days when the old-fashioned laws of politeness were still in force. He discovered his two married brethren in their corner, unaccompanied by their wives; and he delivered his apology for his wife with the air of a man who felt unaffectedly ashamed of it: "Mrs. C is so sorry. She has got such a bad cold. She does so regret not being able to accompany me." At this third apology, Mr. Germaine's indignation forced its way outward into expression in words.
»Zwei arge Erkältungen und ein heftiges Kopfweh«, sagte er mit ironischer Höflichkeit. »Ich weiß nicht, meine Herren, wie sehr Ihre Gemahlinnen übereinstimmen, wenn sie gesund sind. In ihrem leidenden Zustande ist ihre Einigkeit bewunderungswürdig!«"Two bad colds anal one bad headache," he said, with ironical politeness. "I don't know how your wives agree, gentlemen, when they are well. But when they are ill, their unanimity is wonderful!"
Während dieser scharfen Worte wurde gemeldet, dass das Mahl serviert war.The dinner was announced as that sharp saying passed his lips.
Ich hatte die Ehre, Mrs.Germaine zu Tische zu führen. Die Erregung, die sie über die Beleidigung fühlte, welche ihr von den Frauen der Freunde ihres Mannes widerfahren war, äußerte sich nur in einem leisen, ganz leisen Zittern der Hand, welche sie auf meinen Arm legte. Mein Interesse für sich wuchs um das Zehnfache. Nur eine Frau, die gewohnt war zu leiden, die durch die Schule der Selbstbeherrschung schon gebeugt war, konnte das moralische Märtyrertum, das ihr auferlegt war, so tragen, wie diese Frau es vom Anfang bis zum Ende jenes Abends ertrug.I had the honor of taking Mrs. Germaine to the dining-room. Her sense of the implied insult offered to her by the wives of her husband's friends only showed itself in a trembling, a very slight trembling, of the hand that rested on my arm. My interest in her increased tenfold. Only a woman who had been accustomed to suffer, who had been broken and disciplined to self-restraint, could have endured the moral martyrdom inflicted on her as this woman endured it, from the beginning of the evening to the end.
Übertreibe ich, wenn ich von meiner Wirtin in diesen Ausdrücken schreibe? Man betrachte nur die Umstände, wie sie meiner Frau und mir erscheinen mussten.Am I using the language of exaggeration when I write of my hostess in these terms? Look at the circumstances as they struck two strangers like my wife and myself.
Diese war die erste Gesellschaft, die Mr. und Mrs. Germaine nach ihrer Verheiratung gaben. Es waren drei von Mr. Germaines Freunden mit ihren Frauen eingeladen, um Mrs. Germaine kennenzulernen und hatten die Einladung augenscheinlich ohne Rückhalt angenommen. Was für Entdeckungen, zwischen dem Empfange der Einladung und der Gesellschaft selbe, gemacht sein konnten, war unmöglich zu sagen. Eines nur war klar ersichtlich, dass die drei Frauen in der Zwischenzeit übereingekommen waren, sich an Mrs. Germaines Tafel durch ihre Männer vertreten zu lassen; und was noch staunenerregender war, die Männer waren auf die grobe Unhöflichkeit ihrer Frauen so weit eingegangen, dass sie sich herbeiließen, die verbrauchtesten und darum so beleidigenderen Entschuldigungen zu machen. Konnte eine Frau, im Angesichte ihres Mannes, in Gegenwart zweier Fremden aus fernem Lande, bei ihrem ersten Schritt in die Welt grausamer befleckt werden? Ist »Märtyrertum« ein zu inhaltsschweres Wort, um zu bezeichnen, was eine gefühlvolle Frau bei solcher Behandlung gelitten haben muss? Ich glaube kaum.Here was the first dinner party which Mr. and Mrs. Germaine had given since their marriage. Three of Mr. Germaine's friends, all married men, had been invited with their wives to meet Mr. Germaine's wife, and had (evidently) accepted the invitation without reserve. What discoveries had taken place between the giving of the invitation and the giving of the dinner it was impossible to say. The one thing plainly discernible was, that in the interval the three wives had agreed in the resolution to leave their husbands to represent them at Mrs. Germaine's table; and, more amazing still, the husbands had so far approved of the grossly discourteous conduct of the wives as to consent to make the most insultingly trivial excuses for their absence. Could any crueler slur than this have been cast on a woman at the outset of her married life, before the face of her husband, and in the presence of two strangers from another country? Is "martyrdom" too big a word to use in describing what a sensitive person must have suffered, subjected to such treatment as this? Well, I think not.
Wir setzten uns zu Tische. Ich bin außer Stande, diese unbehaglichste aller Zusammenkünfte, dieses ermüdendste und trübseligste aller Feste zu schildern! Es ist wahrhaftig schon schwer genug, dieses Abends überhaupt zu gedenken.We took our places at the dinner-table. Don't ask me to describe that most miserable of mortal meetings, that weariest and dreariest of human festivals! It is quite bad enough to remember that evening--it is indeed.
Meine Frau und ich bemühten uns nach Kräften, die Unterhaltung so harmlos und fließend als möglich zu erhalten. Es war ein schweres Stück Arbeit und dennoch war unser Erfolg sehr gering. Wie sehr wir uns auch bemühten, die leeren Plätze der drei abwesenden Damen waren nicht zu übersehen und sprachen für sich selbst in ihrer eigenen, niederdrückenden Sprache. Wie gern wir auch widerstanden hätten, unwillkürlich drängte sich die eine traurige Folgerung den Gemütern auf. Es lag zu klar am Tage, dass plötzlich irgendein furchtbares Gerücht über den Ruf der Dame, die an der Spitze der Tafel saß, aufgetaucht war und mit einem Schlage die Achtung der Freunde ihres Mannes für sie zerstört hatte. Was konnten die eng befreundeten Gäste diesen Entschuldigungen im Empfangszimmer, diesen leeren Plätzen an der Tafel gegenüber tun, um diesem Ehepaar in seinem plötzlichen und bitteren Leid beizustehen? Sie konnten sich nur als einzige Wohltat für sie je eher je lieber empfehlen und das unglückliche Paar sich selbst überlassen.My wife and I did our best to keep the conversation moving as easily and as harmlessly as might be. I may say that we really worked hard. Nevertheless, our success was not very encouraging. Try as we might to overlook them, there were the three empty places of the three absent women, speaking in their own dismal language for themselves. Try as we might to resist it, we all felt the one sad conclusion which those empty places persisted in forcing on our minds. It was surely too plain that some terrible report, affecting the character of the unhappy woman at the head of the table, had unexpectedly come to light, and had at one blow destroyed her position in the estimation of her husband's friends. In the face of the excuses in the drawing-room, in the face of the empty places at the dinner-table, what could the friendliest guests do, to any good purpose, to help the husband and wife in their sore and sudden need? They could say good-night at the earliest possible opportunity, and mercifully leave the married pair to themselves.
Zur Ehre der drei Herren, die in diesen Zeilen als A., B. und C. Bezeichnet sind, sei es aber gesagt, dass sie beschämt genug über ihre und ihrer Frauen Handlungsweise waren, um wenigstens die Ersten aus der Gesellschaft zu sein, die das Haus verließen. Nach einigen Augenblicken erhoben wir uns, um ihrem Beispiel zu folgen. Mrs. Germaine nötigte uns dringend noch zu bleiben.Let it at least be recorded to the credit of the three gentlemen, designated in these pages as A, B, and C, that they were sufficiently ashamed of themselves and their wives to be the first members of the dinner party who left the house. In a few minutes more we rose to follow their example. Mrs. Germaine earnestly requested that we would delay our departure.
»Bleiben Sie noch einige Augenblicke«, flüsterte sie mit einem Blick auf ihren Gatten. »Ich habe Ihnen etwas zu sagen, ehe Sie uns verlassen.«"Wait a few minutes," she whispered, with a glance at her husband. "I have something to say to you before you go."
Sie verließ uns, nahm den Arm ihres Mannes und führte ihn in den entgegengesetzten Teil des Zimmers. Beide sprachen einige Augenblicke leise miteinander, der Mann schloss die Beratung, indem er die Hand seiner Frau an seine Lippen zog.She left us, and, taking Mr. Germaine by the arm, led him away to the opposite side of the room. The two held a little colloquy together in low voices. The husband closed the consultation by lifting the wife's hand to his lips.
»Tue wie die willst, Geliebte«, sagte er. »Ich überlasse es dir ganz.«"Do as you please, my love," he said to her. "I leave it entirely to you."
Er setzte sich, traurig und in Gedanken verloren, nieder. Mrs. Germaine verschloss einen Schrank am anderen Ende des Zimmers und kehrte dann allein zu uns zurück eine kleine Brieftasche in der Hand haltend.He sat down sorrowfully, lost in his thoughts. Mrs. Germaine unlocked a cabinet at the further end of the room, and returned to us, alone, carrying a small portfolio in her hand.
»Mir fehlen die Worte, um Ihnen genugsam auszudrücken, wie dankbar ich Ihre Güte für mich anerkenne!, sagte sie, mit vollkommener Einfachheit und Würde. »Sie haben mich unter sehr schwierigen Umständen mit einer Zärtlichkeit und Teilnahme behandelt, wie man sie nur alten Freunden zollt. Die einzige Weise, in der ich Ihnen einigermaßen erwidern kann, was Sie für mich taten, ist, dass ich Ihnen mein vollstes Vertrauen schenke. Urteilen Sie dann selbst, ob ich die Behandlung, die ich heute Abend erfuhr, verdiene oder nicht.«"No words of mine can tell you how gratefully I feel your kindness," she said, with perfect simplicity, and with perfect dignity at the same time. "Under very trying circumstances, you have treated me with the tenderness and the sympathy which you might have shown to an old friend. The one return I can make for all that I owe to you is to admit you to my fullest confidence, and to leave you to judge for yourselves whether I deserve the treatment which I have received to-night."
Ihre Augen füllten sich mit Tränen. Sie schwieg um ruhiger zu werden. Wir baten sie beide nicht weiter zu sprechen, ihr Gatte, der sich uns zugesellte, vereinte seine Bitten den unseren. Sie dankte uns, fuhr aber dennoch fort. Wie die meisten tieffühlenden Menschen, konnte sie entschlossen sein, sobald sie es durch die Gelegenheit geboten fand. Her eyes filled with tears. She paused to control herself. We both begged her to say no more. Her husband, joining us, added his entreaties to ours. She thanked us, but she persisted. Like most sensitively organized persons, she could be resolute when she believed that the occasion called for it.
»Ich habe noch einige Worte zu sagen«, fuhr sie ,sich zu meiner Frau wendend, fort. »Sie sind die einzige Frau, die heute zu unserer Gesellschaft gekommen ist. Die geflissentliche Abwesenheit der andern Frauen spricht für sich selbst. Ob sie im Recht oder Unrecht sind, indem sie unser Haus meiden, wage ich nicht zu entscheiden. Mein teurer Mann – vor dem mein ganzes Leben so klar liegt, wie vor mir selbst – hatte den Wunsch diese Damen einzuladen. Er glaubte irrtümlicherweise, dass seine Achtung für mich maßgebend für die Achtung seiner Freunde sein würde; weder er noch ich konnten ahnen, dass die schmerzlichen Schicksale meines vergangenen Lebens durch jemand der sie kannte und dessen Verrat wir noch erst zu ergründen haben werden, enthüllt sein konnten. Das Geringste, was ich als Anerkennung für Ihre große Güte tun kann, ist, Sie mir gegenüber in dieselbe Lage zu setzen, in der sich die andren Damen befinden. Die Umstände, unter denen ich Mr. Germaines Frau geworden bin, sind in vielen Beziehungen sehr wunderbar. Sie sind ohne Rückhalt oder Auslassung in einer kleinen Geschichte niedergelegt, die mein Mann zur Zeit unserer Verheiratung schrieb, um dadurch seine fernen Verwandten, an deren Wohlwollen ihm viel gelegen war, zufriedenzustellen. Das Manuskript befindet sich in dieser Brieftasche. Ich erbitte es mir von Ihnen beiden als eine persönliche Gunst, dass Sie den Inhalt durchlesen. Mögen Sie, nachdem Sie es gelesen haben, entscheiden, ob ich für den Umgang achtbarer Frauen geeignet bin oder nicht.«"I have a few words more to say," she resumed, addressing my wife. "You are the only married woman who has come to our little dinner party. The marked absence of the other wives explains itself. It is not for me to say whether they are right or wrong in refusing to sit at our table. My dear husband--who knows my whole life as well as I know it myself--expressed the wish that we should invite these ladies. He wrongly supposed that his estimate of me would be the estimate accepted by his friends; and neither he nor I anticipated that the misfortunes of my past life would be revealed by some person acquainted with them, whose treachery we have yet to discover. The least I can do, by way of acknowledging your kindness, is to place you in the same position toward me which the other ladies now occupy. The circumstances under which I have become the wife of Mr. Germaine are, in some respects, very remarkable. They are related, without suppression or reserve, in a little narrative which my husband wrote, at the time of our marriage, for the satisfaction of one of his absent relatives, whose good opinion he was unwilling to forfeit. The manuscript is in this portfolio. After what has happened, I ask you both to read it, as a personal favor to me. It is for you to decide, when you know all, whether I am a fit person for an honest woman to associate with or not."
Sie reichte uns mit einem sanften, traurigen Lächeln ihre Hand und wünschte uns Gutenacht. Meine Frau vergaß in ihrer erregten Weise alle Förmlichkeiten und küsste sie beim Abschied. Bei diesem einen, kleinen Beweise schwesterlicher Teilnahme brach alle Stärke, die das arme Wesen den ganzen Abend über gezeigt hatte, zusammen – sie weinte bitterlich.She held out her hand, with a sweet, sad smile, and bid us good night. My wife, in her impulsive way, forgot the formalities proper to the occasion, and kissed her at parting. At that one little act of sisterly sympathy, the fortitude which the poor creature had preserved all through the evening gave way in an instant. She burst into tears.
Ich teilte ganz die herzlichen, teilnehmenden Gefühle meiner Frau für sie, leider konnte ich aber von dem Vorrecht meiner Frau, sie zu küssen, nicht Gebrauch machen. Auf der Treppe fand ich Gelegenheit ihrem Manne, der uns zur Haustür geleitete, einig ermunternde Worte zu sagen.I felt as fond of her and as sorry for her as my wife. But (unfortunately) I could not take my wife's privilege of kissing her. On our way downstairs, I found the opportunity of saying a cheering word to her husband as he accompanied us to the door.
»Ehe ich dieses öffne«, sagte ich, auf die Brieftasche unter meinem Arme deutend, »bin ich mir eines klar bewusst, dass wenn ich nicht schon verheiratet wäre, ein Herr, ich Sie um Ihre Frau beneiden würde, glauben Sie mir.«"Before I open this," I remarked, pointing to the portfolio under my arm, "my mind is made up, sir, about one thing. If I wasn't married already, I tell you this--I should envy you your wife."
»Lesen Sie, was hier geschrieben steht und Sie werden begreifen, was ich um meiner falschen Freunde willen diesen Abend gelitten habe.«He pointed to the portfolio in his turn. "Read what I have written there," he said; "and you will understand what those false friends of mine have made me suffer to-night."
Am nächsten Morgen öffneten meine Frau und ich die Brieftasche und lasen die seltsame Geschichte von George Germaines Verheiratung.The next morning my wife and I opened the portfolio, and read the strange story of George Germaine's marriage.

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